Wie ist die Definition von Sterbehilfe?


Eine einzige Definition für den Begriff Sterbehilfe gibt es nicht. Was erlaubt ist und was nicht erlaubt ist, hängt von der Art der Sterbehilfe ab. Es existieren unterschiedliche Definitionen der Sterbehilfe und manche Arten werden manchmal auch zusammengefasst. Wir haben und auf die nachfolgenden Unterscheidungen festgelegt. Die ethische Bewertung ist ebenfalls von der Sterbehilfeart und den Ansichten jedes Einzelnen abhängig.

Welche Formen der Sterbehilfe gibt es?


Wir gehen hier auf vier Formen der Sterbehilfe ein:

  • aktive Sterbehilfe
  • passive Sterbehilfe
  • indirekte Sterbehilfe
  • Beihilfe zur Selbsttötung

aktive Sterbehilfe


Aktiv bedeutet, dass dem Patienten ein Medikament verabreicht wird, welches in kurzer Zeit zum Tod führt. Das geschieht nicht durch den Patienten selbst, sondern durch einen Arzt.

passive Sterbehilfe


Für diesen Fall ist keine lebenserhaltende Maßnahme mehr vorgesehen oder sie werden beendet. In vielen Fällen wird daher nicht von passiver Sterbehilfe, sondern von Behandlungsabbruch gesprochen.

indirekte Sterbehilfe


Die indirekte Sterbehilfe umfasst Behandlungen, die kurzfristig für eine Verbesserung des Zustandes eines Patienten sorgen, langfristig gesehen jedoch eine Verkürzung des Lebens bedeuten. Hierzu gehören beispielsweise palliative Maßnahmen, wo stake Schmerzmittel (z.B. Morphine) eingesetzt werden, die das Leben verkürzen können. Der vorzeitige Tod durch die Behandlung wird von den Patienten zugunsten der Schmerzfreiheit in Kauf genommen.

Beihilfe zur Selbsttötung


Bei der Beihilfe zur Selbsttötung stellt ein Suizidhelfer alles Erforderliche zum Suizid bereit, die Handlung muss aber vom Patienten selbst durchgeführt werden. So darf z.B. die Giftspritze präpariert aber nicht verabreicht werden.

Was ist erlaubt? Was ist nicht erlaubt?


Die aktive Sterbehilfe steht in Deutschland unter Strafe und wird als Tötung auf Verlangen bezeichnet, wenn das ernstliche Verlangen des Opfers nachgewiesen werden kann (§ 216 Strafgesetzbuch). Kann der ausdrückliche Wunsch nicht nachgewiesen werde, kann der ausführende Arzt sogar mit einer Freiheitsstrafe aufgrund Totschlags oder Mord belegt werden.

Die passive Sterbehilfe ist straffrei, wenn die strengen Vorgaben zur Einstellung lebenserhaltender Maßnahmen eingehalten werden. Wenn der Wille des Patienten vorab niedergeschrieben wurde und dieser z.B. in einer Patientenverfügung lebensverlängernde Maßnahmen konkret für die Situation ausgeschlossen hat, ist der Arzt sogar zur Einhaltung verpflichtet.

Die indirekte Sterbehilfe ist erlaubt. Sie ist durch eine palliativmedizinische Versorgung gang und gäbe. Daher gibt es unter Medizinern sogar eine Diskussion, ob es durch korrekt durchgeführte palliativmedizinische Maßnahmen überhaupt zu einer Lebensverkürzung kommen kann, d.h. ob die Definition dieser Sterbehilfe nicht nur rein akademischer Natur ist.

Die Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid) ist in Deutschland nur dann straffrei, wenn das Opfer letztlich seinen Tod selber herbeiführt und der Suizidhelfer nicht geschäftsmäßig handelt (§ 217 StGB, neue Rechtslage seit dem 06.11.2015). Gegebenenfalls können die (anwesenden) Unterstützer der Selbsttötung aber wegen unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB, bis zu einem Jahr Freiheitsentzug) belangt werden, da sie z.B. zu Wiederbelebungsversuchen verpflichtet gewesen wären. Neben der rechtlichen Einschränkung, dass keine Geschäftsmäßigkeit vorliegen darf, verbietet Ärzten – in Abhängigkeit von der verantwortlichen Landesärztekammer – ihr Standesrecht in jedem Fall die Suizidassistenz.

Welche Voraussetzungen müssen für die passive Sterbehilfe erfüllt werden?


Wenn es aus ärztlicher Sicht eindeutig ist, dass eine medizinische Behandlung das Leiden des Patienten nur verlängert oder er aus eigenem Willen nicht mehr leben möchte, sind die Voraussetzungen erfüllt, um lebensverlängernde Maßnahmen abzuschalten. Liegt die Einwilligungsfähigkeit des Erkrankten nicht mehr vor, hilft eine schriftliche Willensbekundung, die er vorher dokumentiert hat (Patientenverfügung).

Wie ist Sterbehilfe ethisch einzuordnen?


Die Beihilfe zum Suizid oder die indirekte Sterbehilfe sind gemäß Gesetz eine legale Form der Sterbehilfe in Deutschland, wenn die Rahmenbedingungen eingehalten werden. Am Ende des Lebens geht es um grundsätzliche Fragen des menschlichen Selbstverständnisses. Es geht darum, wie weit das Sterben zum Leben dazugehört, wie Sterben gestaltet und begleitet werden kann und ob es zur Freiheit des Menschen gehört, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Die moderne Medizin ist heute in der Lage, das Leben deutlich zu verlängern. Dadurch wächst aber das Risiko von langem Siechtum und quälendem Sterben. Die Gespräche in Gesellschaft, Politik, bei Interessensvertretern und offiziellen Gremien zeigen, wie stark das Thema polarisiert und ethisch kontrovers diskutiert wird. Auf eine konkrete Einordnung verzichten wir daher an dieser Stelle.

Welche Vorteile bietet eine Patientenverfügung?


In einer guten Patientenverfügung, die den Anforderungen des Bundesgerichtshofes (BGH) aus einem Urteil in 2016 entspricht, werden durch den Verfasser konkrete Situationen genannt, in denen das Dokument gelten soll. Weiterhin ist erforderlich, konkrete medizinische Maßnahmen für diese Situationen auszuschließen oder wählen. So werden zum Beispiel die Wiederbelebung oder künstliche Beatmung für das Endstadium einer tödlichen Krankheit ausgeschlossen. Dies entspricht in der Anwendung der passiven Sterbehilfe.

Es können aber auch palliativmedizinische Maßnahmen für die Anwendungssituationen in einer Patientenverfügung festgelegt werden, was in der Anwendung der indirekten Sterbehilfe entspricht.

Zur Durchsetzung des verfügten Willens einer Patientenverfügung ist es wichtig, dass der Verfasser durch eine Vollmacht eine Vertrauensperson bestimmt, die für die Umsetzung sorgt. Ebenso ist eine Betreuungsverfügung sinnvoll, falls die Vollmacht nicht anerkannt werden sollte.

Kann die passive Sterbehilfe auch ohne Patientenverfügung erreicht werden?


Sollen lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt werden, kann dies ein Arzt bei fehlender Patientenverfügung nur dann tun, wenn der unmissverständliche Wille des Betroffenen dazu erklärt wurde. Um dies festzustellen, muss ein Betreuer oder Bevollmächtigter des Patienten durch in der Vergangenheit schriftliche oder mündliche Bekundungen nachweisen, dass dies der letzte Wille des Betroffenen ist, was jedoch schwierig ist.

einmalig nur
39,50 €

weiße Linie
30 Tage Geld zurück Garantie

Welche medizinischen Fragestellungen sind interessant?

Medizinische Fragestellungen sind untrennbar mit einer Patietenverfügung verbunden. Wir beantworten Ihnen häufige Fragestellungen zu diversen medizinischen Themen in unseren Hintergrundinformationen.

Mehr

Was ist rechtlich noch wichtig und interessant?

Wir halten auch rechtliche Hintergrundinformationen in Bezug auf unsere Vorsorgedokumente für Sie bereit. In diesem Abschnitt finden Sie Antworten zu häufigen rechtlichen Fragestellungen.

Mehr